Eine Frage der Chemie – oder warum mich dieses Buch nicht loslässt

Manche Bücher liest man. Andere erlebt man. So ging es mir mit „Eine Frage der Chemie“. Ich habe dieses Buch mit großer Freude gelesen, aber auch mit Tränen in den Augen beendet. Nicht, weil die Geschichte besonders dramatisch wäre, sondern weil ich mich in Elizabeth Zott immer wieder selbst wiedergefunden habe. Elizabeth ist Wissenschaftlerin, Mutter … Weiterlesen

Mameleben – Wer war Mame wirklich?

„Mameleben“ von Michel Bergmann hat mich anders beschäftigt, als ich zunächst erwartet hatte. Das lag nicht am Thema. Die Geschichte jüdischer Familien, des Krieges, der Verfolgung und ihrer Folgen ist wichtig und erinnerungswürdig. Gleichzeitig habe ich im Laufe der Jahre viele Bücher zu diesem Themenkomplex gelesen. Die Schicksale unterscheiden sich, die Muster ähneln sich oft. … Weiterlesen

James – Wozu Menschen fähig sind

„James“ von Percival Everett hat mich beschäftigt, weil das Buch weit mehr ist als eine historische Abenteuergeschichte. Es erzählt von Gewalt, Macht und Entmenschlichung, aber auch davon, wie Menschen trotz allem versuchen, ihre Würde zu bewahren. Besonders eindrücklich war für mich der Moment, in dem James beginnt, sich zu wehren. Gewalt gegen Sklaven war für … Weiterlesen

Der Zopf von Laetitia Colombani – gut erzählt, aber ohne Nachhall

Manchmal merkt man erst am Ende eines Buches, dass einem etwas gefehlt hat – auch wenn man während des Lesens gar nicht genau benennen kann, was. So ging es mir mit Der Zopf. Drei Geschichten, drei Frauen, drei Lebensrealitäten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch laufen sie am Ende sauber zusammen. Indien, Sizilien, Kanada … Weiterlesen

Der Papierpalast – Rezension und meine Interpretation des Endes

Der Papierpalast von Miranda Cowley Heller ist für mich keine klassische Liebesgeschichte, sondern die Entwicklung einer Frau, die gelernt hat zu funktionieren, durchzuhalten und dabei ein Stück von sich selbst verloren hat. Elle steht nicht einfach zwischen zwei Männern. Sie kommt aus einer schwierigen Kindheit, ohne echte Stabilität, ohne das Gefühl von verlässlicher Familie. Und … Weiterlesen

Ben in der Welt – Wenn eine Fortsetzung ihre Hauptfigur verliert

Nach der Lektüre von Ben in der Welt bleibt bei mir vor allem Enttäuschung zurück. Nicht, weil das Buch schwierige Themen anspricht – sondern weil es sie an der falschen Figur festmacht. Im ersten Teil, Das fünfte Kind, war Ben für mich kaum ein Mensch. Er war eine Zumutung, eine Störung, etwas Unbegreifliches. Gerade das … Weiterlesen

Amrum (Hark Bohm) – Lesen wie ein Fluss

Amrum ist kein Buch, das einen sofort mitnimmt.Es fordert Geduld. Und genau das ist seine Haltung. Der Anfang ist sperrig. Viele Beschreibungen, wenig Handlung, lange Passagen über Landschaft, Wetter, Wege. Ich habe das Buch zunächst nur in kleinen Abschnitten gelesen. Nicht, weil es schlecht geschrieben wäre, sondern weil es Raum braucht. Die Bilder mussten sich … Weiterlesen

Das fünfte Kind (Doris Lessing) – Wenn ein Kind nicht das Problem ist

„Das fünfte Kind“ wird oft moralisch gelesen. Als Geschichte über eine Mutter, die ihr Kind ablehnt. Oder über ein „böses“ Kind. Beides greift zu kurz und macht es sich zu einfach. Ben ist nicht der eigentliche Skandal dieses Buches. Ben ist kein Kind – Ben ist ein Symptom Ben steht für etwas, das sich lange … Weiterlesen

Bumm! (Horst Evers) – Warum dieses Buch mehr ist als ein Krimi

„Bumm!“ wird oft als Kriminalroman gelesen. Das ist verständlich, aber zu kurz gegriffen. Wer das Buch so liest, wartet auf Auflösung, Täter, Klarheit – und bleibt am Ende irritiert zurück. Diese Irritation ist kein Fehler. Sie ist der Kern. Denn „Bumm!“ erzählt keine Geschichte über einzelne Schuldige. Es erzählt eine Geschichte über Strukturen, die Generationen … Weiterlesen

Angerichtet (Herman Koch) – Wenn Moral nur gilt, solange sie nichts kostet

„Angerichtet“ ist kein Roman über eine Gewalttat.Die Tat ist der Auslöser, nicht das Thema. Das eigentliche Thema ist, wie schnell Moral verhandelbar wird, sobald sie unbequem wird – und wie gut gebildete, zivilisierte Menschen dabei vollkommen ruhig bleiben. Das Restaurant als moralischer Schutzraum Das gemeinsame Essen ist kein Rahmen, es ist eine Strategie.Zwischen Menüfolgen, Weinempfehlungen … Weiterlesen