Sie bleibt Joan – Zwischen Liebe, Loyalität und dem eigenen Weg (Meg Wolitzer)

Am Anfang erschien mir „Die Ehefrau“ etwas langatmig. Doch das änderte sich erstaunlich schnell. Aus der zunächst ruhig erzählten Geschichte wurde ein Buch, bei dem ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Joan und Joe weitergeht – und vor allem, wie es endet.

Joan entwickelt sich im Laufe des Buches von einer jungen Frau, die sich diesen Mann in den Kopf gesetzt hat – vielleicht zunächst nur als Episode ihrer Studentenzeit – zu einer starken Frau, die ihren Mann unterstützt und zu ihm steht, was auch immer er tut. Sie erträgt viel, aber für mich gibt sie dabei nie sich selbst auf. Sie bleibt Joan.

Gerade deshalb sehe ich in ihr nicht nur die Frau, die von ihrem Mann ausgenutzt wurde. Joe weiß, was sie kann. Er erkennt ihre Begabung an, lobt sie und bezeichnet sie als seine unverzichtbare Hälfte. Vielleicht hat ihr diese Anerkennung lange genügt. Sie braucht den Glanz und die öffentliche Bewunderung nicht. Sie will schreiben – das ist es, wofür sie studiert hat und was sie tun möchte. Joe dagegen genießt das Rampenlicht. Vom gemeinsamen Erfolg leben beide, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise.

Joe selbst war mir dabei nicht wirklich sympathisch. Er ist kompliziert, arrogant und ziemlich von sich selbst eingenommen. Als Freund hätte ich ihn mir nicht vorstellen können. Und trotzdem ist er keine Figur, die mich abgestoßen hat. Vielleicht auch deshalb, weil die Beziehung zwischen ihm und Joan eben nicht einfach in Täter und Opfer aufzuteilen ist.

Für mich erzählt das Buch vielmehr davon, wie kompliziert eine lange Liebe sein kann. Von Entscheidungen, die zu einer bestimmten Zeit richtig sein können, auch wenn man sie viele Jahre später anders treffen würde. Von Loyalität, Verletzungen und von diesem schwer erklärbaren Band, das zwei Menschen miteinander verbinden kann, obwohl längst nicht mehr alles gut ist.

Ich hatte mit einem ganz anderen Verlauf gerechnet. Mit einer Trennung und dem, was danach kommt, vielleicht mit Abrechnung und schmutziger Wäsche. Stattdessen hat mich das Ende völlig überrascht. Mehr möchte ich darüber nicht verraten. Nur so viel: Ich fand es traurig und gleichzeitig sehr schön – und für Joan und diese ungewöhnliche Liebesgeschichte ausgesprochen passend.

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