„Die Jugend von heute …“ – oder: Wenn wir sie einfach machen lassen

Gestern Abend war ich bei einem Krimi-Dinner des BDKJ Pulheim. Eigentlich eher durch Zufall.

Meine Mama hatte die Karte bereits im vergangenen Jahr gekauft. Die Veranstaltung wurde verschoben und inzwischen war ihr der Abend zu viel. Also bot sie mir ihre Karte an. Ich wollte zunächst nicht so recht – habe dann aber doch zugesagt. Die Karte war einfach zu teuer, um sie verfallen zu lassen.

Wie gut, dass ich hingegangen bin.

Denn was ich gestern erlebt habe, beschäftigt mich heute Morgen noch immer. Und dann hörte ich ausgerechnet einen Beitrag von Paul Panzer über „die Jugend von heute“.

Ein Ausdruck, der schnell gesagt ist. Die Jugend von heute sei weniger belastbar. Weniger bereit, sich anzustrengen. Schnell überfordert. Während wir früher eben unsere „Null-Bock-Phase“ hatten und irgendwann wieder herausgewachsen sind.

Aber ist es wirklich so einfach?

Wir haben das Leben unserer Kinder und Jugendlichen immer stärker organisiert. Schule, Termine, Sport, Förderung, Nachmittagsprogramm. Wir planen, begleiten, kontrollieren und wollen natürlich das Beste. Gleichzeitig steigen Erwartungen und Leistungsdruck. Vielleicht haben wir dabei manchmal vergessen, wie wichtig die Freiheit ist, etwas selbst herauszufinden. Verantwortung zu übernehmen. Fehler zu machen. An einer Aufgabe zu wachsen.

Und gestern Abend saß ich plötzlich inmitten eines wunderbaren Gegenbeispiels zu all den Klagen über „die Jugend von heute“.

Dieses Krimi-Dinner ist nicht einfach eine Veranstaltung, bei der ein paar junge Leute auf einer Bühne stehen.

Dahinter stecken Jahre der Vorbereitung. Sponsoren mussten gefunden, Technik und Bestuhlung organisiert, Räume dekoriert und unzählige Dinge geplant werden. Das Stück wurde selbst geschrieben und einstudiert. Kostüme wurden geschneidert, Bühnenequipment gebaut, gestaltet oder organisiert. Es wurde gesungen und getanzt und dafür geprobt.

Und dann kam auch noch etwas dazwischen, das niemand eingeplant hatte: Die gesamte Veranstaltungsreihe musste um ein Jahr verschoben werden.

Alle fünf Veranstaltungen waren ausverkauft, die Eintrittskarten längst gedruckt und verkauft. Plötzlich mussten nicht nur neue Termine organisiert werden. Auch die bereits verkauften Tickets mussten verwaltet und für diejenigen Lösungen gefunden werden, die ein Jahr später an ihrem neuen Termin nicht mehr teilnehmen konnten. Eine zusätzliche organisatorische Aufgabe, die ein Besucher am fertigen Abend überhaupt nicht mehr sieht.

Und damit nicht genug: Das Essen wurde selbst vorbereitet und gekocht. Am Abend wurde serviert, abgeräumt und dafür gesorgt, dass es den Gästen an nichts fehlte.

Und alles funktionierte.

Was mich dabei vielleicht am meisten beeindruckt hat, war aber gar nicht die perfekte Organisation. Es waren die Menschen dahinter.

Man konnte spüren, dass hier ein echtes Team entstanden ist. Gruppierungsübergreifend. Jeder mit seinem Talent. Jeder an seinem Platz und gleichzeitig bereit, dort anzupacken, wo es gerade notwendig ist. Bereit, Verantwortung zu übernehmen, Neues zu lernen und an seinen Aufgaben zu wachsen.

Und sie hatten Spaß dabei. Das konnte man sehen.

Fünf Veranstaltungen sind insgesamt geplant. Fünfmal bedeutet das nicht nur ein paar Stunden auf der Bühne. Es bedeutet fünfmal Essen vorbereiten und kochen, aufbauen, herrichten, bedienen, spielen, singen, tanzen, abbauen. Dazu kommen all die Proben und Vorbereitungen vorher. Jeder Einzelne stellt dafür seine Zeit zur Verfügung. Freizeit, die auch anders verbracht werden könnte.

Und plötzlich habe ich mich gefragt:

Vielleicht hat sich „die Jugend“ gar nicht so fundamental verändert.

Vielleicht haben sich vor allem die Räume verändert, die wir ihr lassen.

Was passiert, wenn wir jungen Menschen etwas zutrauen, konnte man gestern Abend sehen. Wenn wir ihnen Verantwortung geben, statt jeden Schritt vorzugeben. Wenn unterschiedliche Talente gebraucht werden und nicht alle dasselbe können müssen. Wenn sie gemeinsam etwas entwickeln dürfen und erleben, dass ihr eigener Beitrag wichtig für das Ganze ist.

Dann entsteht Verantwortung. Gemeinschaft. Kreativität. Verbindlichkeit. Und offensichtlich auch eine ganze Menge Freude.

Natürlich kann ein solcher Abend nicht stellvertretend für eine ganze Generation stehen. Genauso wenig können es aber diejenigen, über die wir uns beklagen.

Vielleicht sollten wir deshalb ein wenig vorsichtiger sein, wenn wir das nächste Mal von „der Jugend von heute“ sprechen.

Und vielleicht sollten wir ihr häufiger die Gelegenheit geben, uns zu zeigen, was in ihr steckt.

Der BDKJ Pulheim und all diejenigen, die dieses Krimi-Dinner auf die Beine gestellt haben, haben es gestern jedenfalls eindrucksvoll gezeigt.

Ich wollte eigentlich gar nicht hin.

Heute bin ich sehr froh, dass ich dort war.

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